Ein Netzwerk Namens YAYA

Am Anfang steht hier eine Frage: Bei all der Kunst, wo sind die Frauen*?

Von Mia Kaven & Lea Isabelle Sander. Erschienen im MagazIN 2019/2020.

Das alte Logo

Wuppertal bietet eine umfangreiche Kultur­ und Kunstszene. Doch wem? Allen? Oder: Selbst wenn sie allen geboten wird, wer bietet sie?

Um dafür zu sorgen, dass alle bieten können, was sie gerne bieten würden, gründeten Lynn Rabael und Lea Isabelle Sander im Februar 2019 YAYA.

YAYAs Energie dient als Katalysator, um aus schlechten Erfahrungen, die sich ansammelten und mitunter den Mut zur Veröffentlichung nahmen, Kraft für neue Projekte zu synthetisieren.

YAYA wächst kontinuierlich und bietet Künstlerinnen* in und um Wuppertal die Möglichkeit, ihrem Schaffen ein Fundament und einen Safespace zu geben, um mit gestärktem Rücken zu erreichen, was sie sich vornehmen. Doch um sich über Strukturen hinwegzusetzen, welche außergewöhnlichen Personen insbesondere im freischaffenden Arbeits- raum Steine in den Weg legen, braucht es Zusammenhalt. Stichwort Empowerment: YAYA bringt zusammen, sie verbindet Vielfältige und Auf- strebende und vermittelt Selbstbewusstsein.

YAYA sind über 70 kunstschaffende Frauen* und alle, die sich gerne inspirieren lassen möchten, um selbst aktiv oder aktiver zu werden. Frauen*, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und trotzdem alle vor der gleichen Herausforderung stehen: Männerdominierte Bühnen und Galerien, die es aufzumischen gilt.

YAYA bietet eine Plattform für Austausch, Zusammenhalt und Ver- trauen. Über ihre Projektbörse finden sich unterschiedlich Motivierte, um gemeinsam erarbeiten, organisieren und erschaffen zu können, was ihnen vorschwebt. So entstehen Konzepte, Pläne und Resultate, die auch extern relevant sein können: ob Workshop, Party oder Ausstellung, unterschiedliche Frauen* schaffen unterschiedliche Formate.

So organisierten Maria Basel und Gin Bali mit YAYA eine Workshopreihe, die sich dem DJ-ing und Auflegen durch Frauen* widmet. Letztere stellte außerdem mit YAYA eine Partyreihe auf die Beine, die sich unter dem Motto „all genders welcome“ explizit gegen Diskriminierung (auf der Tanzfläche) ausspricht und für unbeschwer- tes Feiern aller einsteht. Und Gründerin Lea Sander initiierte mit YAYA eine öffentliche Kino- reihe, die Filme mit feministischem Profil zeigte.

Veranstaltungen finanziert YAYA über Förder- gelder. Bisherige Veranstaltungen wurden vom Kulturbüro der Stadt Wuppertal, Create Music NRW, dem Gleichstellungsbüro der Universität Wuppertal und dem autonomen Frauen*referat des AstA gefördert.

Wenn ein Workshop oder Ähnliches ansteht, kann jede* Veranstaltende* außerdem selbst entscheiden, ob und wie viel Vergütung sie sich für ihr Projekt wünscht, und über Eintritts­ gelder oder Spenden einnehmen. Es ist ihr freigestellt, ob sie diese Eintrittsgelder in die Netzwerkkasse einfließen lässt, sich den Betrag mit YAYA teilt oder gänzlich behält.

YAYA versteht Künstlerin* sein als lebens­ langen Prozess. Egal in welchem Lebens- stadium eine Frau* sich befindet, sie sollte immer die Möglichkeit haben, sich weiter- zuentwickeln und Neues zu schaffen – sei es ein neues Ich oder ein neues Objekt, eine neu verwirklichte Idee oder ein nie dagewesenesVeranstaltungsformat. So möchte auch YAYA sich immer weiter entwickeln: insbesondere in Bezug auf ihre Grundsätze. YAYA bemüht sich stets, gemeinsam mit all ihren Mitgliedern jede neue Idee und jedes neue Verständnis von inter- sektionaler Gleichberechtigung zu verstehen, zu respektieren und danach zu handeln.

YAYA bietet eine Plattform für Austausch, Zusammenhalt und Vertrauen, über ihre Projektbörse finden sich unterschiedlich Motivierte, um gemeinsam erarbeiten, organisieren und erschaffen zu können, was ihnen vorschwebt

Um zu schaffen, was es zu schaffen gilt, agiert YAYA intern in Arbeits- gruppen. Jede* kann sich einbringen, wo sie* entweder ihr Können verankert sieht oder, worin sie* sich einfach mal ausprobieren möchte. Awareness, Öffentlichkeitsarbeit, Projektmanagement und alles, was außerdem anfällt: Durch gemeinsame Motivation und kollektiven Zusam- menhalt schafft YAYA, was sie will. Eines ihrer aktuellsten Projekte ist es, ein gemeinnütziger Verein zu werden.

Willkommen sind alle kunstschaffenden oder ­interessierten Frauen*, die intersektionale Gleichberechtigung verstehen und leben wollen, um auf dieser Grundlage eigene oder gemeinsame Projekte zu verwirkli- chen und Teil einer Gemeinschaft von kreativen Frauen* zu sein.

Die regelmäßigen Netzwerktreffen finden an jedem 3. Montag im Monat im LOCH statt. Sie stehen jeder* Künstlerin* oder Kunstinteressierten* offen, um einen Einblick in das Netzwerk zu erhalten und sich bei Inter- esse gerne augenblicklich einzubringen.

YAYA schließt eine Lücke, die es längst zu schließen galt. YAYA möchte und wird die Kunst­ und Kulturszene in Wuppertal und über die Stadt- grenzen hinaus maßgeblich verändern.