Kraft für Geschlechterminderheiten

Das Yaya-Netzwerk aus Wuppertal

Von Jan Turek. Erschienen im Engels Magazin am 06.03.2020

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Lea, Gin, Pia (v.l.n.r.) Foto: Jan Turek

„Warum treten die ganzen tollen Frauen in der Wuppertaler Kunst- und Kulturszene so wenig in Erscheinung?“ Ende 2017 unterhielt sich die Musikpädagogin und Gesangslehrerin Lea Isabelle Sander mit einer Freundin über diese Frage. Sie kamen zu der Vermutung, dass Männer einfach besser vernetzt sind. Es entstand die Idee, die Vernetzung von „Geschlechterminderheiten“ (hier verstanden im Sinne von gesellschaftlich vertreten sein: schließt Frauen ein) zu erhöhen: der Impuls zum Yaya-Netzwerk. Zum ersten Netzwerktreffen im Februar 2019 erschienen dann gleich über 40 Frauen. Inzwischen ist daraus auch ein Verein geworden und knapp 80 Menschen bekommen den E-Mail-Newsletter. „Es ist eine beeindruckende Gemeinschaft entstanden“, findet die heute 26-jährige Lea, die auch eine von drei Vorstandsvorsitzenden ist.

Ein wichtiger Begriff bei Yaya ist „Empowerment“. Dazu führt Gin Bali (29), Veranstalterin, DJ und ebenfalls Vor- sitzende, aus: „Wir versuchen, uns gegenseitig Kraft und Energie zu geben und uns künstlerische Jobs zu ver- mitteln“, mit dem Ziel, die Sichtbarkeit von Geschlechterminderheiten zu erhöhen. Lea meint: „Uns geht es darum, dass die lokale Kunstszene ein realistischeres Abbild der Gesellschaft vor Ort wird, denn hier leben nicht nur weiße Männer.“ Gin stimmt zu: „Wir sind ein sehr diverses Land. Das muss vertreten sein.“

Zentral ist folglich ist auch der Begriff „Diversität“. Yaya begreift sich als „intersektional-feminstisch“, sagt Lea und erklärt: „Es geht darum, dass der Feminismus zum Beispiel auch die Situationen von nicht-weißen und nicht-gesunden Frauen mitdenkt. Intersektionalität erkennt an, dass Menschen aus tausend verschiedenen Gründen diskriminiert werden – so unberechtigt diese auch sind.“ So könne etwa eine Frau „zusätzlich diskrimi- niert werden, weil sie eine schwarze Frau ist“, weiß auch die dritte Vorsitzende, Pia Axmacher (33), eine freie Lichtkünstlerin. Im Yaya-Netzwerk ist Diversität ausdrücklich erwünscht, auch hinsichtlich Klasse, Bildungs- stand und Herkunft, wie Gin hervorhebt.

Das Netzwerk hat innerhalb eines Jahres einiges auf die Beine gestellt: So werden etwa Workshops veranstal- tet und seit Anfang 2020 gibt es den Podcast „Yaya Talk“. Darüber hinaus finden nach wie vor jeden dritten Montag im Monat um 19 Uhr Netzwerktreffen im Loch statt. Zu diesen wird eingeladen: „Wir sind nicht exklusiv. Es kommen immer neue Leute dazu und alle dürfen so sein, wie sie sind“, berichtet Pia. Allerdings sollte man einer Geschlechterminderheit angehören: „Die Netzwerktreffen sollen einen Safe-Space bilden“, erläutert Gin. Das gilt auch für die Yaya-Partys, die alle zwei Monate in der Mauke stattfinden: „Männer kommen nur noch in Verbindung mit einer Geschlechterminderheit rein. Ohne diese Türpolitik haben sich leider negative Vorfälle ge- häuft“, so Gin, die auf den Partys auch DJ ist. Das zahle sich aus, schwärmt Lea: „Die Atmosphäre ist ganz an- ders: Alle fühlen sich wohl miteinander.“ Eine solche Party ist auch zum Weltfrauentag geplant: Am 7.3. wird in der Mauke reingefeiert. Am 8. gibt es dann in Utopiastadt die Finissage einer Ausstellung von Yaya-Mitglied Ava Weis sowie um 18 Uhr eine Podiumsdiskussion zum Thema „Weiblichkeit im Kontext von Intersektionalität“.

Alle drei sind sich einig, dass sie durch das Netzwerk unglaublich viel Kraft bekommen. Pia resümiert: „Es gibt mir die Möglichkeit, Kultur zu machen, ohne große Hemmschwelle. Es ist krass, wie viel Energie mir das gege- ben hat, dass ich so viele Frauen* im Rücken hab, die sagen ‚Du machst das super. Weiter so‘“. Und Gin ist sich sicher: „Yaya wurde gebraucht.“