YAYA Talk – Live 2020

Den Krankenhauskittel hat sie hochgezogen, so dass Bauch und der von einer OP-Hose bedeckte Unterleib zu sehen sind. Auf der rasierten Haut dünne Pflaster über frischen Narben, alte Narben und Tätowierungen. Die Daten der diversen Operationen hat die Künstlerin Ava Weis neben die jeweilige Narbe geschrieben. Das Foto entstand nach ihrer Hysterectomie, der Entfernung ihrer Gebärmutter. Diagnose Endometriose. Die OP ist das Ende eines langen Weges, mehrere Jahre, in denen sie ihr Leben unter chronischen Schmerzen führt, sich immer wieder Eingriffen unterziehen muss, unverhofft doch noch mit ihrer Tochter schwanger wird, und schließlich bei ihren ÄrztInnen dafür kämpft, dass sie diesen Schritt gehen darf.

In Ihrer Ausstellung „hyster – fragmente der körper.lichkeit“ erzählt Ava in Fotografien und Gedichten, wie sie seitdem ihren Körper (neu) entdeckt und ihre Weiblichkeit definiert – ohne das Organ, das gesellschaftlich wie kein anderes für „Frausein“ und Mutterschaft steht. Die Vernissage der Ausstellung am Weltfrauentag war für YAYA ein Anlass dieses Thema aufzugreifen und zum Thema „Weiblichkeit im Kontext von Intersektionalität“ zum YAYA talk in den Hutmacher (utopiastadt) einzuladen.

Diskutiert haben neben der Künstlerin Ava, Gin Bali (DJ, Bookerin, Musikerin…) und Ismahan (Studentin der Medienwissenschaft, feministische Aktivistin aus dem Ruhrpott). Das Thema ließ ein breit gefächertes Gespräch zu über (westlich geprägte) Schönheitsideale und ob Weiblichkeit gleichzusetzen ist mit Frausein (nein!) bzw. Mannsein. Das binäre Geschlechterkonstrukt wurde auch in der abschließenden Diskussion mit den Zuhörer*innen kritisiert. Rassismuserfahrungen der Diskutierenden und daraus resultierend die Notwendigkeit von intersektionalem Feminismus waren ebenfalls Thema. Wir bedanken uns bei den drei Teilnehmerinnen des Talks und bei den vielen interessierten Zuhörer*innen, die danach noch in kleinen Grüppchen weiter angeregt diskutierten.

(Fotos: Jan Kreienkamp)